Kommentare, Berichte, Fotos zum Einsatz, Baggerbiss und "Schuhwurf"

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Letzte Woche in der Nacht von Donnerstag auf Freitag erfolgte der Polizei-Einsatz zur Absperrung des Südflügels. Vor dem eigentlichen Einsatz gab es einen polizeilichen Aufmarsch im Park. "Die im Dunkeln sieht man nicht" - ein Bericht zur Situation und ein Video darunter, das klar macht, wie eine polizeiliche Drohgebärde aussieht. Die embedded Journalisten haben genau das getan, was sich die Polizei erhofft hat - in ihrem Sinne geschrieben. Deshalb stelle ich dazu lieber Kommentare aus Blogs ein. 

 

Die im Dunkeln sieht man nicht

 

Gelobt werden alle: Die Landesregierung unter dem grünen Ministerpräsidenten Winfried Kretschmann; jener selbst ganz besonders. Der neue Stuttgarter Polizeipräsident und Afghanistanveteran Thomas Züfle (CDU). Die „Stuttgarter Polizei“ (in der betreffenden Nacht waren selbst Einheiten aus dem fernen Berlin im Einsatz; insgesamt 2.000 Polizisten standen etwa 800 Demonstranten gegenüber). Und sogar die Demonstranten wurden gelobt - weil sie friedlich blieben (als wäre es jemals anders gewesen).

Der „Stuttgarter Polizei“ wurde bescheinigt, dass sie „dazu gelernt“ hätte, da sie konsequent auf „Deeskalation setzte“. Nicht nur Wulff ist ein Azubi. Thomas Züfle sprach davon, dass sich bei ihm trotzdem „kein Gefühl des Triumphs“ einstelle und dass die Strategie der Transparenz und Berechenbarkeit der Polizei insgesamt aufgegangen sei. Gleichwohl nannte er Matthias von Herrmann, den Sprecher der Aktiven Parkschützer, einen, so wörtlich, „Feigling“, als dieser ihm in jener Nacht einen Handschlag nach einem Gespräch vor laufenden Kameras  versagte. MP Kretschmann bemerkte einen Tag später noch, dass er mit diesem Polizeieinsatz insgesamt „sehr zufrieden“ sei und dass er sich Demokratie genau so vorstelle.


 

Der Film ist auch direkt hier zu sehen:

 

Zelträumung-gefilmt von Tilmann36

 

Ein Kommentar von Zwuckelmann - er bringt es auf den Punkt, worum es bei dem Polizeieinsatz ging:

 

Der entzauberte Kretschmann

 

Eine Bürgerbewegung einschüchtern zu wollen, indem den Engagierten und jahrelang bewiesenermaßen friedlichen Aktivisten einmal wieder so richtig deutlich gezeigt wird, wo der Hammer hängt, ist ein eines Rechtsstaats und einer Demokratie unwürdiges Schauspiel - und das umso mehr unter einer Grün-Roten Landesregierung! Die Polizei überwacht uns seit Monaten intensiv, sie wusste, dass aktuell nachts nie mehr als 50 Demonstranten am Südflügel waren. Sie hätte mit Bordmitteln und wie sie es morgens am GWM oft genug getan hat, die Straße am Schlossgarten abriegeln können, ohne ein so großes Aufsehen darum zu machen. Die Straße wäre schnell abgesperrt und schnell geräumt, das ist immerhin schon oft genug passiert. Aber das Schauspiel war natürlich politisch gewollt, es war wieder einmal eine Machtdemonstration, die zeigen sollte, dass offenbar unbändige Aggressionen von den Gegner ausgehen, weshalb die Polizei zu diesen Mitteln greifen musste. Die eingebettete Presse griff dies dankbar auf und berichtete deutschlandweit, dass es gottseidank friedlich blieb und keine Eskalation von den Demonstranten ausgegangen sei - dabei waren wir immer friedlich und die einzigen, die eskaliert haben, waren wiederholt Polizisten (am 30.09.2010 und am 8.2.2011). Natürlich bin auch ich froh, dass der Einsatz friedlich verlaufen ist, (was im übrigen wohl eher den Parkschützern als der Polizei zu verdanken ist, die erneut ziemlich daneben und ohne Medien einen "Scheinangriff" im Schlossgarten startete!) aber ich empfinde die Dimension, wie Politik und Polizei auf diese Bürgerbewegung reagieren, heillos übertrieben und in jeglicher Hinsicht unangemessen.

 

Interessant war, dass die Stuttgarter Zeitung bereits vier Stunden vor dem Einsatz wusste, was in der Nacht passieren würde. Dazu stelle ich einen Link ein. Dort ist ein Video, in dem dieser Artikel aus der Zeitung vorgelesen wird - noch bevor die Polizei vor Ort war. Die Reaktionen der verwunderten und amüsierten ZuhörerInnen ob dieses Kristallkugel-Journalismus spricht für sich. Es ist auch etwas ungewöhnlich zu hören, dass man bereits geräumt worden ist, obwohl alle noch vor Ort sind und der Polizei-Einsatz nicht mal angefangen hat.

 

Bei Abriss Aufstand - Stuttgarter Zeitung ist schneller als die Polizei

 

Railomotive hat dazu kommentiert:

 

Stuttgart 21: Die Stuttgarter Zeitung zeigt, dass sie nicht seriös sein will

 

Unter Journalisten gibt es eine Technik, Beiträge “kalt” zu schreiben. Man baut sich aus Pressemitteilungen vorab einen Beitrag über ein kommendes Ereignis zusammen, um rechtzeitig in Druck gehen zu können. Es wird also geblufft, um Aktualität vorzutäuschen. Das ist legitim, wenn klar ist, dass nichts anderes verkündet werden wird, der Beitrag sich an vorhersehbaren Fakten orientiert und ein sachliche Information vor Druck- oder Veröffentlichungstermin nicht anders transportiert werden kann. Etwa bei einer Neujahrsansprache, die vorab gedruckt oder als Video vorliegt.

Nicht legitim und hoch unseriös ist es, wenn die Stuttgarter Zeitung am 12.1.2012 gegen 23.30 Uhr eine gedruckte Ausgabe vom 13.1.2012  in den Verkehr bringt, in der ausführlich über die in den Morgenstunden möglicherweise zu erwartende Absperrung und Räumung der nach Mitternacht mehreren Hundert Demonstranten am Südflügel berichtet wird. Den will die DB, obwohl die nächsten Monate keine Notwendigkeit dafür besteht, sofort abreißen lassen. Die S21-Gegner haben die Demonstration übrigens angemeldet und nutzen ihr Versammlungsrecht.

 

Weitere Bilder und Filme zum Einsatz am Südflügel sind zu sehen bei:

 

Lob - Bilder

 

Tilmann36 Polizei vor dem Südflügel

 

Tschonnie83 - Absperrung Südflügel

 

Bodenfrost - Fotos von der Räumung des Südflügels

 

Auf Bodenfrost befinden sich noch weitere Links zu Bildern.

 

 Nun  wird auch klar, warum der Südflügel jetzt schon fallen soll. Wir sind davon ausgegangen, dass der einzige Grund, dass der Südflügel zum jetzigen Zeitpunkt bereits abgebrochen werden soll, (die Baustelle am ehemaligen Nordflügel liegt seit eineinhalb Jahren brach), um uns erneut Macht zu demonstrieren. Aber nein, es geht außerdem darum, eine zweite Grundwasseranlage zu bauen:

 

Stuttgarter Zeitung, 13.1.

Bahn plant zweite Grundwasseranlage am Bahnhof

 

Stuttgart - Die Deutsche Bahn will den Abriss des Südflügels am Hauptbahnhof binnen weniger Wochen abgeschlossen haben. Die Eile verwundert angesichts der noch ausstehenden Genehmigung des Eisenbahn-Bundesamts (Eba) für das Fällen der Bäume im Schlossgarten und damit für das Ausheben der Baugrube für den Tiefbahnhof. Doch nach StZ-Informationen hat der Konzern allen Grund, trotzdem aufs Tempo zu drücken. Eine weitere Erhöhung der Grundwasserentnahme macht offenbar den Bau einer zusätzlichen Steuerungsanlage notwendig, die auf dem Südflügelareal errichtet werden soll.

 

Letzten Samstag flog anläßlich eine Demonstration ein Schuh und traf einen Personenschützer des Ministerpräsidenten Kretschmanns. Augenblicklich wurde aus den laut Medien so "braven" S21-Gegnern bei der Südflügel-Blockade quasi über Nacht mal wieder ein gewalttätiger Protest. Wer den Schuh - einen Stoff-Sommerschuh -  geworfen hat, ist nach wie vor nicht geklärt.

 

Stuttgart Nachrichten - Kretschmann mit Schuhen beworfen

 

Vor drei, vier Wochen ca., kamen nach einem Aufruf zum Laubrecheln viele ParkschützerInnen und setzten bei der Park-Putzete aus Laub gefertigte Puppen als "BlockiererInnen" an Bäume und Zäunen. Vor ein paar Tagen wurden sie dann in einem Gebüsch gefunden mit abgeschnittenen Köpfen und Gliedmaßen. Eine wurde fachmännisch erhängt und baumelte sichtbar als Drohung an uns an einem Baum. Leider sind solche Abscheulichkeiten den Medien nicht mal eine Meldung wert und die Polizei wertet das wohl lediglich als "Sachbeschädigung":

 

Puppe_erh_ngt_2.JPG

Puppe_erh_ngt_1.JPG

 

Der erste Baggerbiss in den Südflügel trotz des Appells der Grünen an die Bahn, in der jetzigen ungeklärten rechtlichen Situation keine Fakten zu schaffen:

 

Stuttgarter Nachrichten - Südflügel: Straße wieder freigegeben

 

Stuttgarter_Transportmittel.JPG

 


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