Polizeipraesident Stumpf im Stuttgarter Hospitalhof

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Ein Beitrag, geschrieben von Ingrid:

 

Polizeipräsident Siegfried Stumpf, nach eigener Aussage alleinverantwortlich für den katastrophalen Ablauf des Polizeieinsatzes am 30.09.2010 (inzwischen auch „Schwarzer Donnerstag“ genannt) im Stuttgarter Schlossgarten, war gestern im Rahmen einer Veranstaltungsreihe im Stuttgarter Hospitalhof (Bildungszentrum der Evangelischen Kirche in Stuttgart) zu Gast und sollte sich der Frage „Wie viel Sicherheit braucht unser Zusammenleben?“ stellen.
 
Die Veranstaltungsreihe nennt sich „Stuttgarter Profile“ und wird wie folgt beworben:
 
"Stuttgart besitzt eine reiche Kulturlandschaft und vor allem: es hat kreative Köpfe, kritische Geister, Tüftler und Querdenker. Die Reihe "Stuttgarter Profile" stellt schöpferische Personen vor, die in Stuttgart leben, arbeiten oder hier geboren sind und fragt nach ihren Ideen, Überzeugungen und Lebenseinsichten."
 
Dass Herr Stumpf am Schwarzen Donnerstag besonders viel Kreativität im Umgang mit den TeilnehmerInnen der (angemeldeten und genehmigten) Schülerdemo oder den zahlreichen friedlichen GegnerInnen des Projekts Stuttgart 21 an den Tag gelegt hätte, wird wohl niemand behaupten können. Vielmehr hat er sich üppig aus dem Sortiment der Polizeigewalt und –willkür bedient: Wasserwerfer, Tränengas, Schlagstöcke, eingeschleuste Provokateure, massive Einschüchterungsversuche, Polizeipferde etc. etc.
 
Und dies alles, um die illegale Fällung von ca. 20 Parkbäumen im Auftrag der Bahn zu schützen.

Weshalb ein Polizeipräsident, der unvermittelt und aus nicht nachvollziehbaren Gründen (zumindest, wenn man seiner Aussage glaubt, dass es keine Einflussnahme und keine entsprechenden Anordnungen seitens der Landesregierung gab ...) die bis dahin von ihm vertretene und für erfolgreiche Deeskalation bekannte „Stuttgarter Linie“ verlässt und sich plötzlich als Haudrauf übelster Sorte entpuppt, nun von der Evangelischen Kirche in eine Reihe gestellt wird mit „kreativen Köpfen, kritschen Geistern, Tüftlern und Querdenkern“, erschließt sich mir in keiner Weise und lässt mich erneut über die Rolle und das Selbstverständnis der Evangelischen Kirche im Konflikt um Stuttgart 21 nachdenken.

Bis heute war von Herrn Stumpf kein Wort des Bedauerns über die vielen Verletzten des aus dem Ruder gelaufenen Polizeieinsatzes zu hören, keine Entschuldigung an Dietrich Wagner, der vom Wasserwerfer nahezu blind geschossen wurde, keine Erwähnung der vielen, vielen Menschen, die bis heute vom Geschehen im Schlossgarten traumatisiert sind. Kein Versuch wurde von Herrn Stumpf unternommen, um – vor allem bei den Jugendlichen, die am 30.09. einen ganz besonderen Eindruck von „Demokratie“ und „Rechtsstaat“ vermittelt bekamen – wieder Vertrauen in die Polizei und deren rechtmäßiges Handeln aufzubauen.

Stattdessen beklagt sich Herr Stumpf bitterlich über die angeblich einseitige Berichterstattung der Medien, die einzig und allein daran schuld sei, dass er – und mit ihm die gesamte Polizei – jetzt unter Druck steht und mit massivem Vertrauensverlust zu kämpfen hat:

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.untersuchungsausschuss-fuer-den-polizeichef-ist-die-presse-schuld.b83f4e43-46bc-45e2-9663-18820634de6f.html

http://www.stuttgarter-zeitung.de/inhalt.presseschelte-des-polizeipraesidenten-stumpf-erneut-unter-druck.d4ad2003-4f2e-4b2d-b394-87bbd4386684.html


Die Veranstaltung im Stuttgarter Hospitalhof verlief wohl nicht ganz so geordnet, wie sich das die Evangelische Kirche und Herr Stumpf vorgestellt hatten: Etliche Menschen, die Herrn Stumpfs „Kreativität“ am 30.09. am eigenen Leib erfahren durften, waren im Publikum und machten ihren Unmut lauthals Luft.

Ob das nun „vernünftig“ und „zielführend“ war oder ob man besser „ruhig und sachlich“ mit Herrn Stumpf hätte diskutieren sollen – diese Frage wird wohl jede/r entsprechend dem eigenen Temperament beantworten.

Auf jeden Fall war es aber sowohl von Herrn Stumpf als auch von den Veranstaltern reichlich naiv anzunehmen, dass es nicht zu emotionalen Szenen während der Veranstaltung kommen würde.

Die psychischen Wunden vom Schwarzen Donnerstag sind noch längst nicht verheilt und Herr Stumpf zeigt leider nicht die Größe, eigene Schuld und Verantwortung kritisch zu hinterfragen. Er weist in bewährter Politiker- und Entscheidermanier lieber mit dem Finger auf andere und wundert sich dann, dass die Leidtragenden seiner fatalen Handlungsweise zornig auf diese Dickfelligkeit reagieren.

 

Hätte Herr Stumpf, den ich bis zum 30.09. für einen durchaus besonnenen und klugen Polizeichef gehalten habe, auch nur einen Funken von Anstand im Leib, wäre er inzwischen längst zurückgetreten und hätte sich vor allem bei den Opfern des Schwarzen Donnerstag entschuldigt.

Leider ist dies nicht der Fall und so muss er eben damit leben, dass er mit all den charakter- und gewissenlosen Individuen in einen Topf geworfen wird, die sich im Umfeld des S21-Kartells tummeln (http://stuttgart-21-kartell.org/).

Wann werden endlich alle Verantwortlichen für den Schwarzen Donnerstag vor Gericht gestellt und für ihre Verbrechen an genau dem Volk, das zu schützen sie sich (teils per Amtseid) verpflichtet haben, verurteilt?!

 

 

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