Weichgeklopft, gepfeffert und mit Wasser abgeloescht

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Seit 1. Juni hat Stuttgart offiziell einen neuen Polizeipraesidenten, der   Siegfried Stumpf nach den fuer Polizei und Politik unruehmlichen Ereignissen des Schwarzen Donnerstags jetzt abgeloest hat. Thomas Zuefle heisst der vorherige Leiter der Polizeidirektion Tuebingen, der nun an seiner Stelle in Stuttgart schalten und walten wird. Die Stuttgarter Nachrichten schreibt ueber ihn folgendes: link

 

Züfle bemängelte, die Stuttgarter Polizei werde oft auf den Einsatz im Schlossgarten reduziert. Deshalb wolle er für mehr Vertrauen werben und verstärkt auf Kommunikation und Dialog setzen. Außerdem wolle er das Gespräch mit der Belegschaft, der Stadt, den Behörden und der Justiz suchen, erklärte Züfle.

Der Landeschef der Deutschen Polizeigewerkschaft, Joachim Lautensack, bezeichnete Züfles Berufung als eine „kleine, aber gelungene Überraschung“. Er zeigte sich überzeugt, dass Züfle in der Lage sei, das leider etwas angeschlagene Image der Stuttgarter Polizei wieder auf Vordermann zu bringen.

 

Die Einfuehrung ins Amt wird begleitet von einer Ankuendigung des Innenminsters Galls, SPD, bezueglich der angedrohten Baumassnahmen zu Stuttgart 21 ab Montag, die da lautet: Esslinger Zeitung link


 

Stuttgart (dpa/lsw) - Der Konflikt um das Bahnprojekt Stuttgart 21 spitzt sich wieder zu, die Polizei in der Landeshauptstadt ist in Habachtstellung. Denn schon an diesem Montag könnte es zu neuen Auseinandersetzungen zwischen Stuttgart-21-Gegnern und der Polizei kommen, sollte die Bahn wie angekündigt nach zwei Monaten Pause die Bauarbeiten wieder aufnehmen. Angesichts der verheerenden Bilder von dem harten Polizeieinsatz am 30. September im Schlossgarten hat der neue Innenminister Reinhold Gall (SPD) bereits angekündigt, auf Wasserwerfer künftig verzichten zu wollen.
Dagegen soll Pfefferspray auch künftig zum Einsatz kommen, wenn es nötig ist, Demonstranten auf Abstand zu halten. Dieter Schneider, Inspekteur der Polizei im Innenministerium, machte aber am Mittwoch deutlich, dass den Opfern von Pfefferspray künftig besser geholfen werden soll. „Bei absehbaren größeren Konflikten soll künftig darauf geachtet werden, dass ausreichende Vorkehrungen für das Ausspülen der Augen getroffen werden“, erklärte Schneider.

 

Also keine Wasserwerfer mehr, sondern "NUR" noch Schlagstock- und Pfeffersprayeinsatz gegen FRIEDLICHE DemonstrantInnen und danach wird netterweise mit Wasser geholfen. Wie oben geschrieben: Weichgeklopft - Gepfeffert - Abgeloescht. Die Abloeschung erfolgt dann etwas zielgenauer und nicht ganz so schaedlich, wie das bei Herrn Wagner der Fall war, unter Anleitung des neuen Chefkoches Zuefle. 

 

Sieht so Dialog und Kommunikation aus? Und setzt das Vorhaben, das Vertrauen der Bevoelkerung wieder zu gewinnen bzw. das angeschlagene Image der Polizei auf "Vordermann zu bringen" nicht voraus, dass zunaechst der 30.9. restlos aufgeklaert wird und die Verantwortlichen fuer diesen unverhaeltnismaessigen Polizeieinsatz zur Rechenschaft gezogen werden und zwar bevor bereits wieder ein neuer Einsatz angekuendigt wird? Bis heute gibt es nicht eine einzige Entschuldigung eines Verantwortlichen an diejenigen, die damals an Koerper und Seele Schaden genommen haben. Ebenso wurden unsere Fragen nie beantwortet, welche Verletzungen nachweislich welche Polizisten an jenem Tag durch uns erlitten haben sollen, waehrend all unsere Verletzten namentlich bekannt sind und dadurch teilweise zusaetzlich unter polizeilichen Schikanen zu leiden hatten. Das alles waere aber Voraussetzung dafuer, dass aus dem  angeschlagenen Image wieder ein Positives wuerde. 

 

Wie wir am 30.9. sowie bei diversen spaeteren Vorfaellen sehen konnten, wurde das Pfefferspray teilweise praeventiv oder sogar aus Spass an der Freude eingesetzt und das wohlwissend, dass die Anzahl derer, die an Asthma und Allergien leiden bzw. chronisch krank sind und die durch Pfeffersprayeinsatz u.U. in Lebensgefahr geraten koennten, in der Bevoelkerung sehr hoch ist.

 

Nein, Herr Zuefle und Herr Gall, das Pfeffer muss bei friedlichen Demonstrationen dort bleiben, wo es hingehoert: In der Kueche! Die angekuendigte Wasserhilfe kann damit auch gleich eingespart werden.

 

schlagstockeinsatz


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Björn 06/02/2011 23:29


Pfefferspray gehört grundsätzlich verboten! Wem sollen wir denn die Definition einer friedlichen Demo überlassen. Der Schwarze Donnerstag und die Ereignisse heute zeigen doch, dass sich die Polizei
die Deutungshoheit rausnimmt. Es werden dann Behauptungen aufgestellt und wenn sie zu dreist waren halt im Nachhinein zurückgenommen oder nicht verfolgt, wie z.B. das Tragen von verbotenen
Quarzsandhandschuhen.
Mit einer derart ausgerüsteten Aufstandspolizei, was alleine die Schutzmassnahmen angeht, kann man gar nicht mehr von friedlich reden.


stuttgart-steht-auf 06/03/2011 01:13



Du hast natuerlich recht. Die arbeiten heute mit Methoden waehrend und nach den Demos, die von Ehrlichkeit und Fairness weit entfernt sind. Ich bin heute noch z.B. ueberzeugt davon, dass auch
etwas in diversen Tanks der WaWes war am 30.9., aber darueber wird gar nicht mehr gesprochen. Anzeichen dafuer gab es genug und das bleibt zumindest fuer mich ebenfalls unvergessen. Nein, von
Friedlichkeit kann nicht gesprochen werden, wenn sie im Vorfeld bereits die Eskalationen planen, ausfuehren mit allen Mitteln und hinterher alles vertuschen und diejenigen, die bereits Opfer
sind, auch noch anzeigen, waehrend die wahren Taeter davon kommen und in Amt und Wuerden verbleiben. Nein, seit letztem Jahr glaube ich zunaechst mal keinem Zeitungsbericht und keinen TV-Szenen
ueber Demos mehr, bei denen die Demonstranten angeblich eskalierten. Ich erlaube mir erst dann ein Urteil, wenn ich im Netz verschiedene Aussagen gelesen und einige Videos von Beteiligten gesehen
habe.



Ingrid 06/02/2011 16:48


Was davon zu halten ist, wenn jemand für etwas "werben möchte", haben wir bei der unglückseligen Ex-Umwelt- und Verkehrsministerin Tanja Gönner zur Genüge erfahren.

Insofern: total unglückliche Wortwahl, Herr Züfle! Von allem anderen, was im Artikel schon ausführlich geschrieben wurde, mal ganz abgesehen.

So wird das nix! Mit Blabla allein läßt sich verspieltes Vertrauen nicht wiedergewinnen.


stuttgart-steht-auf 06/02/2011 17:05



Nein, so nicht! Und Herr Gall und sein Hilfsangebot ist mehr als daneben.