Weitere Hausdurchsuchungen
Die Einschüchterungstaktik und Kriminalisierung der Polizei geht, wie von uns erwartet und befürchtet, weiter.
Heute morgen wurden wiederum Wohnungen von Cams21-Leuten durchsucht und Filmmaterial beschlagnahmt.
Bei BAA ist folgendes darüber zu lesen: link
Die Staatsanwaltschaft Stuttgart hat heute früh um 6 Uhr bei mehreren Mitgliedern von CamS21 Hausdurchsuchungen und Beschlagnahmung von Hardware (Kameras, Laptops, sonstige Elektronik) durchgeführt. In einem Fall drang die Polizei in die Wohnung ein, weil die anwesende Person noch geschlafen hatte und nicht schnell genug an die Tür gehen konnte.
Wir interpretieren dieses Vorgehen so, dass Staatsanwaltschaft und Polizei gezielt den CamS21-Aktiven ihre Übertragungstechnik entziehen wollen, um die unliebsamen, immer präsenten Übertragungen zu unterbinden und die mutigen Dauerfilmer zu kriminalisieren und einzuschüchtern.
Mit dem Handy od. einem Fotoapparat filmen kann heute jedes Kind. Wir rufen hiermit alle Demoteilnehmer und S21-Gegner dazu auf, alles zu filmen, wichtige Filme schnell ins Netz zu stellen und die YouTube-Adressen bekannt zu geben, z.B. bei BAA in den Kommentaren. Oder gleich einen Bambuser-Account einzurichten und die App auf dem Handy installieren.
Mehr dazu vom 21.07.: Polizei führt Hausdurchsuchungen bei cams21-Mitgliedern durch!
Bei Cams21 die Stellungnahme zu den Hausdurchsuchungen: link
Die Neue Rheinische Zeitung hat einen guten Artikel über Kriminalisierungen dieser Art online gestellt. Auch der Protest gegen Stuttgart 21 wird erwähnt. Den gesamten Text findet ihr hier: link
Über das staatsschützende Wirken der Polizei bei Demonstrationen
Ausspähen, knüppeln, kriminalisieren
Von Wolfgang Bittner
Nach Auffassung amtlicher Staatsschützer, führender Innenpolitiker und tonangebender Publizisten, die für sich in Anspruch nehmen, der Staat zu sein, sind Demonstranten, wenn nicht die Bürger überhaupt, potentielle Störer und Täter. Sie müssen deswegen ausgespäht, abgehört, gegebenenfalls geprügelt und obendrein bestraft werden, vor allem wenn sie Kritik üben und sogar links stehen. Während das angeblich staatsschützende Wirken der Geheimdienste, namentlich der sogenannten Verfassungsämter, zumeist im Dunkeln bleibt, tritt das Vorgehen der Polizei manchmal ganz deutlich ans Licht der Öffentlichkeit.
Bedauerlich nur, dass sie die neun verletzten Polizisten in keinster Weise zumindest in Frage stellen, sondern als gegeben hinnehmen.
Ein Blick in dieses Interview vom März 2011 mit Katja Barth, die AktivistInnen anwaltlich bei einem Notruf betreut, lohnt sich auf jeden Fall: link
Das kostet euch was!
Interview mit der Rechtsanwältin Katja Barth über Kriminalisierung in Deutschland
Auch in Deutschland wird sozialer Protest kriminalisiert. Neben den üblichen strafrechtlichen Verfolgungsmechanismen ist der Trend zu beobachten, dass Bewegungen verstärkt zur Kasse gebeten werden: „Wegtragegebühren“ bei Schienenblockaden, Kautionen für beschlagnahmte Samba-Trommeln oder auch Schadenersatzforderungen für ausgerupfte Maispflanzen. Mit der Freiburger Rechtsanwältin Katja Barth, die seit mehreren Jahren im Anwaltlichen Notdienst tätig ist, der AktivistInnen bei Demonstrationen und Aktionen betreut, hat sich die ila über die neuesten Einfälle des deutschen Staates unterhalten.