Rette sich, wer kann!
Ein Beitrag von Ingrid, die sich das Projekt "EngpasS21 angeschaut hat:
Rette sich, wer kann!
Am 25. und 26. März 2011 wurde auf dem Stuttgarter Schlossplatz das Projekt „EngpasS21“ vorgestellt.
Ein Zusammenschluß aus:
• Eltern der Initiative Kinderwagendemo gegen S21
• Ingenieure gegen S21
• Initiative Barrierefrei
• Senioren gegen S21
hat ein aufwändiges 1:1-Modell erstellt, das eindrucksvoll die Engpässe zwischen Rolltreppen und Gleisbett zeigt, die im geplanten Tiefbahnhof 21 entstehen würden.
Das begehbare Modell wurde von PassantInnen mit Kinderwagen, Fahrrädern, Rollstühlen, Rucksäcken etc. „bespielt“ und es war für die ZuschauerInnen deutlich sichtbar, welche Gefahren durch die viel zu schmal geplanten 4 Bahnsteige vor allem zu Stoßzeiten entstehen würden.
Ausgezeichnete Moderatoren (u.a. Alexander Perlick und Klaus Gebhard) sowie Lautsprecherdurchsagen, wie man sie vom Bahnhof gewohnt ist (allerdings mit ironisch abgewandelten Ansagetexten …) machten die Vorführungen zu einem Erlebnis, das viele nachdenkliche Gesichter erzeugt hat.
Obwohl das Wetter recht durchwachsen war und öfter auch mal ein Regenguss die Vorführung ein bißchen störte, war die Bühne immer von vielen Menschen umlagert, die sich auch von der „Sprinkleranlage, die sich ja bei Brandgefahr einschalten soll“ (Alexander Perlick) nicht vertreiben ließen.
Die Reaktionen der ZuschauerInnen waren vielfach erschrocken, denn so eng und chaotisch hatten sie sich die schöne neue Bahnhofswelt nicht vorgestellt.
Viele Gespräche und Diskussionen fanden vor und neben der Bühne statt und die gut informierten ParkschützerInnen konnten die Fragen der PassantInnen umfassend beantworten.
Große Empörung bei den ZuschauerInnen rief die Antwort von Dr. Volker Kefer (Technikvorstand der DB) auf die Frage, wie sich denn z.B. Gehbehinderte oder Rollstuhlfahrer im Fall eines Brandes aus dem Tiefbahnhof retten könnten, hervor:
“Wir gehen davon aus, dass Mitreisende, sowie Mitarbeiter der DB und ggf. anwesende Sicherheitskräfte die Evakuierung von Menschen mit Gehbehinderungen im Rahmen der Hilfeleistungspflicht schon in der Selbstrettungsphase unterstützen.” (Zitat Dr. Kefer vom 25.01.2011) link
Viele, vor allem ältere Menschen konnten kaum glauben, welche Menschenverachtung die Bahn hier offenbart und mit welcher Kaltblütigkeit hier Leben und Gesundheit von behinderten BürgerInnen billigend in Kauf genommen wird.
Natürlich waren auch die „Befürworter“ des Projekts Stuttgart 21 unterwegs und haben fleißig Flugblätter verteilt, die belegen sollten, dass der Tiefbahnhof 21 absolut behindertengerecht und barrierefrei wird.
Diese Behauptung wurde u.a. mit der Feststellung „belegt“, dass es ja viele Aufzüge und Rolltreppen gebe, die im Brand- oder sonstigen Katastrophenfall von den Behinderten benutzen werden könnten.
Dieser und alle anderen „Beweispunkte“ wurde vom Moderator auf der Bühne vorgelesen und völlig problemlos widerlegt. Denn dass weder Aufzüge noch Rolltreppen im Brandfall funktionieren, hatten die schlauen „Befürworter“ nicht bedacht.
Peinlich für die „Befürworter“ war auch, dass das Flugblatt keine V.i.S.d.P. aufwies – also niemand verantwortlich dafür zeichnete. Und einer Aufforderung des Moderators, zu einer Diskussion der strittigen Punkte auf die Bühne zu kommen, kam leider keiner der jungen Herren nach. Statt dessen begnügten sie sich damit zu behaupten, dass die Gegner von S21 sich all diese Probleme nur ausgedacht hätten und schlicht lügen.
Na ja – so einfach kann man sich's auch machen, wenn die eigenen „Argumente“ versagen.
Die Aktion „EngpasS21“ war ein voller Erfolg und hat anschaulich gravierende Planungsmängel der DB deutlich gemacht.
Vielen Dank an alle, die diese Aktion durch ihren ehrenamtlichen Einsatz möglich gemacht haben!
Video über die Aktion:
Websites für weitere Info:
Engpass
Barrierefrei gegen Stuttgart 21